Der Strompreis an der Börse erreicht zum Wochenstart ein neues Monatshoch. Am 1. April 2026 liegt der durchschnittliche Day-Ahead-Preis an der EPEX Spot bei 144,21 EUR/MWh, mit Spitzenwerten von bis zu 239 EUR/MWh. Haupttreiber sind die weiterhin erhöhten Gaspreise infolge des Iran-Krieges.

Kurz eingeordnet

  • Der Börsenstrompreis in der Kalenderwoche 14 liegt im Wochendurchschnitt bei rund 109 EUR/MWh und damit deutlich über dem Jahresmittel 2025 von 86,54 EUR/MWh.
  • Die Blockade der Straße von Hormus seit Ende Februar 2026 hat die europäischen Gaspreise auf zeitweise über 74 EUR/MWh getrieben und schlägt über das Merit-Order-Prinzip auf den Strompreis durch.
  • Für Verbraucher liegt der durchschnittliche Strompreis bei Neuabschluss aktuell bei 27,93 Cent/kWh – ein Plus von rund 16 Prozent seit Kriegsbeginn.
  • Der milliardenschwere Bundeszuschuss zu den Netzentgelten von 6,5 Milliarden Euro für 2026 wird durch die steigenden Großhandelspreise teilweise aufgezehrt.

Die Preise an der europäischen Strombörse EPEX Spot sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Am 1. April 2026 notierte der Day-Ahead-Preis für das Marktgebiet Deutschland/Luxemburg im Tagesdurchschnitt bei 144,21 EUR/MWh. In der Spitze wurden 239,12 EUR/MWh erreicht, selbst das Tagesminimum lag bei 80,40 EUR/MWh. Zum Vergleich: Am Sonntag, dem 30. März, betrug der Tagesdurchschnitt noch 58,44 EUR/MWh. Innerhalb weniger Tage hat sich der Börsenstrompreis damit mehr als verdoppelt.

STROM

Day-Ahead Strompreis 2026

Baseload (24h-Mittelwert) · EUR/MWh · 01.01. – 08.04.2026

Ø Baseload (EUR/MWh)

Im Wochenverlauf der Kalenderwoche 14 ergibt sich ein Durchschnittspreis von rund 109 EUR/MWh. Das liegt deutlich über dem Jahresschnitt 2025 von 86,54 EUR/MWh und übertrifft auch den Durchschnitt der ersten beiden Monate 2026, der bei rund 103 EUR/MWh lag.

Iran-Krieg treibt den Börsenstrompreis über das Merit-Order-Prinzip

Auslöser der aktuellen Preisentwicklung ist der seit Ende Februar andauernde militärische Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran. Durch die faktische Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Transportrouten für Flüssigerdgas und Erdöl aus der Golfregion, ist das Angebot auf den Weltmärkten spürbar geschrumpft. Die europäischen Gaspreise am niederländischen Handelsplatz TTF stiegen zeitweise auf über 74 EUR/MWh, mehr als das Doppelte des Niveaus von Januar und Februar.

Da Gaskraftwerke im deutschen Strommarkt häufig das preissetzende Kraftwerk sind, wirken sich steigende Gaspreise über den sogenannten Merit-Order-Mechanismus unmittelbar auf den Börsenstrompreis aus. Das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage noch zugeschalten werden muss, bestimmt den Preis für alle Marktteilnehmer. An wind- und sonnenarmen Tagen, an denen erneuerbare Energien weniger einspeisen, steigt der Einfluss der Gaskraftwerke entsprechend.

Was der Strompreis an der Börse für Verbraucher bedeutet

Der Großhandelspreis an der EPEX Spot ist nicht direkt mit dem Preis identisch, den Haushalte auf ihrer Stromrechnung sehen. Der Endkundenpreis setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: neben der Strombeschaffung fließen Netzentgelte, Steuern, Umlagen und Vertriebskosten ein. Dennoch ist der Börsenpreis ein zentraler Kostentreiber, da er die Beschaffungskosten der Energieversorger bestimmt.

Aktuell liegt der durchschnittliche Strompreis für einen Haushalt mit 4.000 kWh Jahresverbrauch bei Neuabschluss eines Tarifs mit zwölfmonatiger Preisgarantie bei 27,93 Cent pro Kilowattstunde (Stand: 1. April 2026). Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar sind die Neukundenpreise damit um rund 16 Prozent gestiegen. Im Februar lag das günstigste Angebot im Bundesschnitt noch bei rund 24 Cent pro Kilowattstunde.

STROM

Durchschnittlicher Strompreis 2026

Jahresverbrauch 4.000 kWh · Cent pro kWh · 01.01. – 09.04.2026

Ø Strompreis (ct/kWh)

Verbraucherinnen und Verbraucher mit laufenden Verträgen und bestehender Preisgarantie sind von den aktuellen Großhandelspreisen zunächst nicht betroffen. Wer allerdings in den kommenden Wochen einen neuen Vertrag abschließt, muss mit höheren Preisen rechnen. Energieversorger geben steigende Beschaffungskosten in der Regel mit einer Verzögerung von mehreren Wochen bis Monaten an die Endkunden weiter.

Ausblick: Strompreise hängen vom weiteren Kriegsverlauf ab

Die weitere Entwicklung des Börsenstrompreises ist eng an den Verlauf des Konflikts im Nahen Osten gekoppelt. Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt und die LNG-Lieferungen aus der Golfregion eingeschränkt sind, dürften die Gaspreise und damit auch die Strompreise auf erhöhtem Niveau verharren. Die EU-Kommission prüft derzeit Gegenmaßnahmen, darunter langfristige Stromabnahmeverträge und eine mögliche Gaspreisdeckelung.

Hinzu kommt, dass ab April die Phase der Wiederbefüllung der Gasspeicher beginnt. Die deutschen Speicherfüllstände lagen zuletzt bei rund 21,5 Prozent und damit deutlich unter dem Vorjahresniveau. Ein erhöhter Einkaufsbedarf für den kommenden Winter könnte den Preisdruck auf dem Gasmarkt zusätzlich verstärken und den Börsenstrompreis weiter belasten.