Die Ölpreise erreichen angesichts der eskalierenden Hormus-Krise neue Höchststände. Brent notiert bei über 110 Dollar je Barrel, der europäische Gaspreis steigt ebenfalls deutlich. IEA-Chef Fatih Birol warnt vor den schwersten Verwerfungen auf den Energiemärkten seit Jahrzehnten.

Kurz eingeordnet

  • Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert wird, ist weitgehend blockiert. Die Auswirkungen auf die Rohstoffmärkte übertreffen nach Einschätzung der IEA alle bisherigen Ölschocks.
  • Der Brent-Preis liegt am 7. April 2026 bei 110,85 USD je Barrel, der TTF-Erdgaspreis bei 55,86 EUR/MWh. Beide Werte signalisieren eine erhebliche Anspannung auf den globalen Energiemärkten.
  • Für Verbraucher in Deutschland bedeutet das steigende Kosten bei Heizöl, Kraftstoffen und perspektivisch auch bei Strom und Gas, sofern die Großhandelspreise auf diesem Niveau verharren.

Update (19.04.2026 07:32): Der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brent liegt aktuell bei 90,38 $.

Ölpreis aktuell: Brent und TTF auf Krisenniveau

Die Großhandelspreise für Öl und Gas spiegeln die geopolitische Eskalation rund um die Straße von Hormus unmittelbar wider. Am 7. April 2026 notiert Brent-Rohöl bei 110,85 US-Dollar je Barrel (Stand: 14:57 Uhr). Damit bewegt sich der Preis auf einem Niveau, das zuletzt in den Hochphasen des Jahres 2022 erreicht wurde.

Auch der europäische Leitpreis für Erdgas, der TTF-Future, liegt mit 55,86 Euro je Megawattstunde deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Zum Vergleich: Noch Anfang 2025 bewegte sich der TTF-Preis zeitweise unter 30 Euro je Megawattstunde. Der aktuelle Anstieg ist vor allem auf die Sorge zurückzuführen, dass die Blockade der Straße von Hormus nicht nur Öllieferungen, sondern auch den Transport von Flüssigerdgas aus der Golfregion beeinträchtigt.

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Engstellen im globalen Energiehandel. Durch die Meerenge zwischen Iran und Oman fließt ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Gasexporte. Eine weitgehende Blockade hat unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgungslage und die Preisbildung an den internationalen Rohstoffbörsen.

IEA-Chef Birol warnt: „Der April wird noch viel schlimmer“

„Man muss sich bewusst sein, dass der März zwar sehr schwierig war, der April aber noch viel schlimmer werden wird.“
IEA-Chef Fatih Birol gegenüber der französischen Zeitung „Le Figaro“.

Die Hormus-Krise übertreffe nach seiner Einschätzung alle bisherigen historischen Ölschocks.

Die Internationale Energieagentur beobachtet die Lage nach eigenen Angaben mit höchster Aufmerksamkeit. Die Warnung Birols richtet sich an Regierungen und Marktakteure gleichermaßen. Sie unterstreicht, dass die derzeitige Krise nicht nur kurzfristige Preiseffekte auslöst, sondern die gesamte Architektur der globalen Energieversorgung auf die Probe stellt.

Auch aus der deutschen Forschung kommen ernste Einschätzungen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bewertet die aktuelle Situation als die schwerste fossile Energiekrise der jüngeren Geschichte. Die Abhängigkeit von fossilen Importen aus geopolitisch instabilen Regionen erweist sich einmal mehr als strukturelle Schwachstelle der europäischen Energieversorgung.

Was die Preise für Verbraucher in Deutschland bedeuten

Steigende Großhandelspreise bei Öl und Gas wirken sich mit einer gewissen Zeitverzögerung auf die Verbraucherpreise aus. Heizöl und Kraftstoffe an der Tankstelle reagieren in der Regel am schnellsten auf veränderte Rohölnotierungen. Bei Erdgas und Strom dauert es etwas länger, bis höhere Einkaufspreise in den Tarifen ankommen, da viele Versorger längerfristige Beschaffungsverträge nutzen.

Sollte das aktuelle Preisniveau über mehrere Wochen Bestand haben, ist jedoch mit spürbaren Mehrkosten für Haushalte zu rechnen. Bereits jetzt dürften die Heizölpreise in Deutschland merklich angezogen haben. Für Verbraucher, deren Gasverträge in den kommenden Monaten zur Verlängerung anstehen, könnte sich die Lage ebenfalls verteuern.

Die Bundesregierung steht vor der Herausforderung, mögliche Entlastungsmaßnahmen abzuwägen, ohne die Haushaltslage weiter zu belasten. In der Vergangenheit wurden bei vergleichbaren Preisspitzen Instrumente wie Tankrabatte oder Energiepreisbremsen diskutiert.

Wie es an den Energiemärkten weitergehen könnte

Die weitere Entwicklung der Öl- und Gaspreise hängt maßgeblich vom Verlauf der Hormus-Krise ab. Solange die Meerenge weitgehend blockiert bleibt, ist mit anhaltend hohen Notierungen zu rechnen. Eine diplomatische Entspannung könnte die Preise rasch wieder senken, doch derzeit gibt es dafür keine konkreten Anzeichen.

Die IEA hat angekündigt, die strategischen Ölreserven der Mitgliedsländer bei Bedarf freizugeben. Ob und wann das geschieht, ist offen. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die internationalen Bemühungen zur Deeskalation Wirkung entfalten oder ob sich die Lage weiter verschärft. Für Verbraucher bleibt die Situation vorerst angespannt.