Ölpreis unter Druck: die Internationale Energieagentur hat so viel strategisches Öl freigegeben wie nie zuvor in ihrer Geschichte. Trotzdem steigen die Preise weiter. Die Blockade der Straße von Hormus infolge des Iran-Kriegs hält die Märkte in Atem und treibt die Spritpreise in Deutschland auf neue Höchststände.

Kurz eingeordnet

  • Die IEA hat gemeinsam mit ihren 32 Mitgliedsländern 400 Millionen Barrel Rohöl aus strategischen Reserven freigegeben, ein historischer Rekord.
  • Deutschland beteiligt sich mit 19,5 Millionen Barrel; die USA tragen mit 172 Millionen Barrel den größten Anteil.
  • Brent-Rohöl kostete am Donnerstagmorgen erneut über 100 US-Dollar pro Barrel, rund neun Prozent mehr als am Vortag.
  • An deutschen Tankstellen überschreitet der Durchschnittspreis für E10 inzwischen die Zwei-Euro-Marke.

Update (18.03.2026 07:07): Der Ölpreis für ein Barrel der Sorte Brent liegt aktuell bei 101,18 $.

Ein Nadelöhr stoppt den globalen Ölhandel

Die Straße von Hormus, jene rund 55 Kilometer breite Meerenge zwischen Iran und Oman, ist eine der bedeutendsten Wasserstraßen der Welt. Durchschnittlich 20 Millionen Barrel Rohöl passierten die Enge täglich, bevor der Iran-Krieg ausbrach. Seit Kriegsbeginn hat sich das drastisch verändert: Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) fließt heute nicht einmal ein Zehntel dieser Menge durch das Nadelöhr. Iranische Drohnen und Raketen haben die Handelsschifffahrt in der Region weitgehend zum Erliegen gebracht. Auch im Irak wurden Ölterminals nach Angriffen auf den Hafen von Basra zeitweise abgeschaltet.

Die Folge sind Ölpreise auf dem höchsten Niveau seit dem Sommer 2022, als der russische Angriffskrieg auf die Ukraine die Märkte erschütterte. Die Nordseesorte Brent notierte am Donnerstagmorgen erneut über 100 US-Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI entwickelte sich ähnlich.

Was die Reservenfreigabe leistet und wo ihre Grenzen liegen

Am Mittwoch beschlossen die 32 IEA-Mitglieder einstimmig, insgesamt 400 Millionen Barrel Rohöl aus ihren strategischen Vorräten freizugeben. Das übertrifft die bislang größte Freigabe der Organisation nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 deutlich, damals waren es knapp 183 Millionen Barrel.

Rechnerisch würde die freigegebene Menge den Ausfall der Straße von Hormus für rund 20 Tage ausgleichen. Doch die Versorgungswirkung wird nicht sofort eintreten: US-Energieminister Chris Wright erklärte, die Auslieferung solle kommende Woche beginnen und könne bei den geplanten Abgaberaten bis zu 120 Tage dauern. Zudem müssen die Reserven anschließend wieder aufgefüllt werden, die USA kündigten an, innerhalb des nächsten Jahres rund 200 Millionen Barrel zurückzukaufen.

Ein weiteres strukturelles Problem: In Deutschland schreibt das Gesetz vor, dass Freigaben aus der Nationalen Ölreserve zu aktuellen Marktpreisen verkauft werden müssen. Für Verbraucher bedeutet das, dass die Freigabe kaum direkte Entlastung an der Zapfsäule bringt. Die Bundesregierung hat deshalb eine zusätzliche Maßnahme angekündigt: Tankstellen sollen Spritpreise künftig nur noch einmal täglich anheben dürfen.

Asien trägt die schwerste Last, Deutschland zahlt besonders viel

Die globalen Folgen des Lieferstopps treffen Asien am härtesten. Vier von fünf Barrel Öl, die die Straße von Hormus passierten, gingen laut IEA nach Asien. Entsprechend stark reagierten die Aktienmärkte in der Region. In Thailand wurden Beamte angewiesen, von zu Hause zu arbeiten und auf Dienstreisen zu verzichten, auf den Philippinen ordnete die Regierung eine Vier-Tage-Arbeitswoche an.

Auch in Deutschland ist die Lage auffällig. Nach Angaben von IEA-Chef Fatih Birol sind die Dieselpreise ohne Steuern und Abgaben in Deutschland um 44 Prozent gestiegen, im europäischen Durchschnitt nur um 29 Prozent. Benzin verteuerte sich in Deutschland um 29 Prozent, europaweit um 16 Prozent.

Ausblick

Die entscheidende Frage ist, wie lange die Blockade der Straße von Hormus anhält. Solange der Iran den Zugang zur Meerenge kontrolliert oder blockiert und keine diplomatische Lösung in Sicht ist, dürften die Ölpreise erhöht bleiben. Die Wirkung der Reservenfreigabe wird erst in den kommenden Wochen spürbar, wenn die Lieferungen anlaufen. Offen bleibt, ob die angekündigten nationalen Regulierungen wie die Preisanpassungsbegrenzung an deutschen Tankstellen tatsächlich greifen und welche weiteren Schritte auf G7-Ebene folgen werden.