Durch die Energiesteuer Senkung der schwarz-roten Koalition sinkt die Energiesteuer auf Kraftstoffe für zwei Monate um rund 17 Cent brutto pro Liter. Der Beschluss ist eine Reaktion auf die massiv gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Krieges, doch seine tatsächliche Wirkung auf den Energiemarkt ist umstritten.
Kurz eingeordnet
- Der Iran-Krieg und die Blockade der Straße von Hormus haben den Ölpreis auf über 100 Dollar je Barrel getrieben und eine neue Energiepreiskrise in Deutschland ausgelöst. Die Inflation stieg im März 2026 auf 2,7 Prozent.
- Die Energiesteuer Senkung der Koalition senkt die Energiesteuer auf Diesel und Benzin befristet auf zwei Monate um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter. Das Entlastungsvolumen beträgt rund 1,6 Milliarden Euro.
- Der Tankrabatt von 2022 kam laut Bundeskartellamt überwiegend bei den Verbrauchern an, doch die Mineralölkonzerne konnten ihre Margen zeitweise ausweiten. Ob die Weitergabe diesmal besser funktioniert, ist offen.
- Strom- und Gaspreise werden von der Energiesteuer Senkung nicht direkt berührt, obwohl auch sie durch die geopolitische Lage unter Druck stehen.
Warum die Energiepreise so stark gestiegen sind
Seit Ende Februar 2026 haben die Angriffe der USA und Israels auf den Iran und die anschließende Sperrung der Straße von Hormus durch Teheran die globalen Energiemärkte erschüttert. Durch die Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel fließen unter normalen Umständen rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und Gashandels. Der Schiffsverkehr ist im Zuge des Krieges nach Angaben des Dezernat Zukunft um mehr als 90 Prozent eingebrochen.
Die Internationale Energieagentur (IEA) sprach von der größten Angebotsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarkts. Der Brent-Ölpreis kletterte zwischenzeitlich auf über 110 Dollar je Barrel, bevor eine Anfang April vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe für eine vorübergehende Entspannung sorgte. Doch die Beruhigung war nur von kurzer Dauer: Nach der Ankündigung von US-Präsident Trump, die Straße von Hormus zu blockieren, stieg der Ölpreis wieder über die Marke von 100 Dollar.
An den deutschen Tankstellen machte sich das unmittelbar bemerkbar. Über die Osterfeiertage lag der Preis für einen Liter Benzin bei rund 2,19 Euro, Diesel kostete zeitweise über 2,40 Euro. Die Energiepreise stiegen im März laut Statistischem Bundesamt um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, die Inflationsrate sprang auf 2,7 Prozent. Die Lage erinnert an die Wochen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022, auch wenn die Ausgangsbedingungen sich unterscheiden: Deutschland bezieht kein Öl und kein Erdgas direkt über die Straße von Hormus, ist aber über die globalen Großhandelsmärkte indirekt stark betroffen.
Was die Energiesteuer Senkung 2026 für Verbraucher bringt
Die Spitzen von CDU, CSU und SPD einigten sich in der Nacht zum Montag auf ein Entlastungspaket, dessen Kernstück die befristete Energiesteuer Senkung auf Diesel und Benzin ist. Die Steuer soll um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter sinken, und zwar begrenzt auf zwei Monate. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, damit solle die Lage für Autofahrer und Betriebe schnell verbessert werden. Nach Angaben von Arbeitsministerin Bärbel Bas beträgt das Entlastungsvolumen insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro. Ein genaues Startdatum steht noch nicht fest.
Die Maßnahme ist ein Déjà-vu. Bereits 2022 hatte die damalige Ampelkoalition als Reaktion auf den Ukraine-Krieg eine auf drei Monate befristete Energiesteuer Senkung in Form eines Tankrabatts eingeführt. Damals wurde die Energiesteuer bei Benzin um knapp 30 Cent und bei Diesel um gut 14 Cent pro Liter gesenkt, was den Staat rund 3,4 Milliarden Euro kostete. Die Erfahrungen von damals sind gemischt: Studien der Wirtschaftsforschungsinstitute ifo und ZEW sowie eine Auswertung des Bundeskartellamts kamen zu dem Ergebnis, dass die Entlastung zum Großteil an die Verbraucher weitergegeben wurde. Gleichzeitig stellte der ADAC fest, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung nicht vollständig an die Zapfsäule durchreichten und ihre Margen zeitweise ausweiten konnten.
Wirtschaftswissenschaftler sehen die Neuauflage kritisch. Monika Schnitzer, die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, bezeichnete eine befristete Energiesteuer Senkung als die schlechteste aller bisher diskutierten Optionen. Der Rabatt reduziere den Anreiz, Sprit zu sparen, und komme auch denjenigen zugute, die sich die höheren Preise leisten könnten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband äußerte ebenfalls Zweifel an der Wirksamkeit.
Zur Gegenfinanzierung setzt die Koalition auf eine vorgezogene Erhöhung der Tabaksteuer sowie auf kartellrechtliche oder steuerrechtliche Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft. Ob es zu einer Übergewinnsteuer kommt, bleibt innerhalb der Koalition umstritten: Die SPD befürwortet sie, die Union lehnt sie ab. Ergänzend sollen Arbeitgeber im Jahr 2026 eine steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie von bis zu 1.000 Euro an ihre Beschäftigten auszahlen können.
Was die Energiesteuer Senkung für Strom- und Gaspreise bedeutet
Die beschlossene Energiesteuer Senkung betrifft ausschließlich Kraftstoffe an der Zapfsäule. Auf die Strom- und Gaspreise hat sie keine unmittelbare Auswirkung. Gleichwohl stehen auch diese unter dem Einfluss der geopolitischen Lage. Die Gaspreise am europäischen Großhandelsmarkt sind seit Beginn des Iran-Krieges stark gestiegen, da die Schließung der Straße von Hormus auch den globalen LNG-Handel betrifft. Qatars Flüssiggas-Anlage Ras Laffan wurde im Kriegsverlauf beschädigt, die vollständige Erholung der dortigen Produktion könnte nach Brancheneinschätzung bis zu fünf Jahre dauern.
Für deutsche Verbraucher bleiben die Auswirkungen der Energiesteuer Senkung auf Strom und Gas vorerst begrenzt. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) schätzt, dass die Sperrung der Straße von Hormus auf die physische Gasversorgung in Deutschland keine direkte Auswirkung hat, da Deutschland aktuell kein LNG direkt aus Katar bezieht und Norwegen der wichtigste Gaslieferant bleibt. Die meisten Energieversorger haben ihre Endkundenpreise zudem über langfristige Terminmarktgeschäfte abgesichert. Allerdings könnte ein anhaltend hohes Preisniveau am Großhandelsmarkt mittelfristig auf die Verbraucherpreise durchschlagen.
Die Bundesregierung hatte bereits im Koalitionsvertrag Entlastungen bei den Energiepreisen angekündigt und im März ein erstes Paket vorgestellt. Die Stromsteuer wurde zum 1. Januar 2026 gesenkt, die Gasspeicherumlage abgeschafft und die Übertragungsnetzentgelte mit 6,5 Milliarden Euro bezuschusst. Diese Maßnahmen entlasten Bürger und Unternehmen laut Bundesregierung um insgesamt rund 10 Milliarden Euro im Jahr 2026. Ein durchschnittlicher Haushalt spart dadurch etwa 160 Euro jährlich bei Strom und Gas.
Wie es nach der Energiesteuer Senkung weitergeht
Bundeskanzler Merz machte deutlich, dass die Möglichkeiten des Staates begrenzt sind. Der Staat könne nicht alle Unsicherheiten und nicht alle Disruptionen der Weltpolitik auffangen. Nach Ablauf der zwei Monate werde die Energiesteuer Senkung automatisch wieder zurückgesetzt, was bedeutet, dass die Preise dann auch wieder steigen.
Entscheidend für die weitere Entwicklung am Energiemarkt ist der Fortgang des Iran-Krieges. Die USA fordern die Aufgabe des iranischen Atomprogramms und die vollständige Öffnung der Straße von Hormus. Der Iran verlangt unter anderem die Aufhebung der Sanktionen und Reparationszahlungen. Solange keine dauerhafte diplomatische Lösung in Sicht ist, dürften die Energiepreise auf einem erhöhten Niveau verbleiben.
Die Koalition will parallel das Kartellrecht weiter verschärfen. Das Bundeskartellamt soll besser prüfen können, ob sinkende Rohstoffpreise beim Übergang von einer Marktstörung in eine wirtschaftliche Normallage tatsächlich an die Verbraucher weitergegeben werden. Damit zielt die Regierung auf den sogenannten Rakete-und-Feder-Effekt: Spritpreise steigen bei steigenden Rohölpreisen schnell, sinken bei fallenden Rohölpreisen aber nur langsam. Für den 1. Januar 2027 hat die Koalition außerdem eine Reform der Einkommensteuer angekündigt, die kleine und mittlere Einkommen dauerhaft entlasten soll.