Der Gaspreis 2027 wird für Millionen Haushalte mit Gasheizung zur zentralen Kostenfrage. Erdgas ist an der Börse so teuer wie seit Ende 2022 nicht mehr, und viele Versorger müssen für das kommende Jahr zu höheren Preisen nachkaufen. Bis Anfang Dezember zeigt sich, wie stark die Tarife steigen.

Kurz eingeordnet

  • Der TTF-Gaspreis ist ein Großhandelspreis. Haushaltstarife folgen ihm wegen der langfristigen Beschaffung der Versorger erst mit Verzögerung.
  • Preiserhöhungen zum 1. Januar müssen in der Grundversorgung bis etwa 20. November, bei Sonderverträgen bis spätestens 1. Dezember angekündigt sein.
  • Netzentgelte und CO2-Preis spielen 2027 eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sind die Einkaufskosten der Versorger.
  • Wer eine Preiserhöhung erhält, kann den Vertrag ohne Frist zum Tag der Erhöhung kündigen.

Gaspreis an der Börse auf dem höchsten Stand seit Ende 2022

Der europäische Gaspreis hat zum Wochenstart seinen Anstieg fortgesetzt. Der richtungsweisende TTF-Terminkontrakt zur Lieferung im Folgemonat kletterte am Montag, dem 26. Oktober, an der Börse in Amsterdam bis auf 97,64 Euro je Megawattstunde. Das war ein Plus von fast drei Prozent gegenüber Freitag und der höchste Wert seit Ende 2022. Seit Monatsbeginn hat sich die Notierung um etwa ein Drittel verteuert, seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht.

Update (05.11.2026 14:27): Heute steht der TTF-Gaspreis bei 89,28 EUR/MWh.

Als wesentlicher Preistreiber gilt der Krieg zwischen den USA und dem Iran. Durch die an den Iran grenzende Straße von Hormus führt eine der wichtigsten Transportrouten für Flüssigerdgas. Die Gasexporte aus dem Persischen Golf, die im vergangenen Jahr etwa ein Fünftel des weltweiten LNG-Volumens ausmachten, sind durch den Krieg weiterhin beeinträchtigt. Zugleich sind die LNG-Preise in Asien auf den höchsten Stand seit 2022 gestiegen, sodass Europa mit asiatischen Käufern um dieselben Lieferungen konkurriert.

Hinzu kommt die Lage in Deutschland. Das staatliche Unternehmen SEFE wurde im September angewiesen, zusätzliches Gas für die Speicher zu beschaffen. Nach Daten des Branchenverbands Gas Infrastructure Europe waren die deutschen Speicher am 25. Oktober zu 61,48 Prozent gefüllt. Vor einem Jahr lag der Füllstand bei etwa 75 Prozent, der EU-Durchschnitt beträgt derzeit 74,62 Prozent.

Was der Gaspreis 2027 für Haushalte bedeutet

Der TTF-Kurs ist ein Großhandelspreis und kein Haushaltstarif. Ein Börsenpreis von 95 Euro je Megawattstunde entspricht rechnerisch 9,5 Cent je Kilowattstunde, Netzentgelte, Steuern und Abgaben kommen noch hinzu. Weil Versorger ihr Gas über längere Zeiträume und zu unterschiedlichen Zeitpunkten beschaffen, kommen Preissprünge an der Börse erst mit Verzögerung bei den Kunden an.

Genau diese Verzögerung wirkt sich nun zum Jahreswechsel aus. Viele Versorger haben ihre Bestandskunden bislang mit Gas beliefert, das sie früh und vergleichsweise günstig eingekauft hatten. Für 2027 müssen sie zu höheren Preisen nachkaufen. Das Vergleichsportal Verivox rechnet deshalb je nach Tarif mit Erhöhungen von 10 bis 20 Prozent für den Gaspreis 2027.

„Wir erwarten zum Jahreswechsel flächendeckende Preiserhöhungen“,
sagte Verivox-Energieexperte Thorsten Storck der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Verivox-Angaben kostete eine Kilowattstunde Gas Anfang Oktober im Schnitt 12,7 Cent. Ein Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt damit rund 2.540 Euro. Bei 10 Prozent Aufschlag kämen etwa 250 Euro hinzu, bei 20 Prozent gut 500 Euro. In Baden-Württemberg hat sich Erdgas für private Haushalte laut Verivox bereits innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 22 Prozent verteuert.

GAS

Durchschnittlicher Gaspreis 2026

Jahresverbrauch 20.000 kWh · Cent pro kWh · 01.01. – 31.10.2026

Aktuell
13,88 ct
31.10.2026
Höchstwert
13,88 ct
31.10.2026
Tiefstwert
8,26 ct
17.01.2026
Δ im Zeitraum
+65,8 %
seit 01.01.2026
Ø Gaspreis (ct/kWh)
Gaspreis-Verlauf als Tabelle (Monatsmittel)
MonatØ PreisSpanneΔ Vormonat
Januar 20268,32 ct8,26 – 8,39—
Februar 20268,45 ct8,39 – 8,50+0,13
März 20269,92 ct8,46 – 11,08+1,47
April 202610,69 ct10,03 – 11,18+0,77
Mai 202610,08 ct10,03 – 10,13−0,61
Juni 20269,89 ct9,65 – 10,04−0,19
Juli 20269,86 ct9,62 – 10,36−0,03
August 202610,68 ct10,36 – 11,30+0,82
September 202612,43 ct11,38 – 12,89+1,75
Oktober 202613,21 ct12,77 – 13,88+0,78
Quelle: Verivox · gewichteter Durchschnitt der günstigsten Neukundentarife · Stand: 04.11.2026 14:52

Andere Preisbestandteile fallen 2027 weniger ins Gewicht. Die Gasnetzentgelte steigen laut Verivox bundesweit um rund 3 Prozent, bei 20.000 Kilowattstunden sind das etwa 19 Euro im Jahr. Das Netz macht beim Gas etwa ein Fünftel des Preises aus. Der CO2-Preis soll nach einem Beschluss des Bundestags vom 15. Oktober auch 2027 in einem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne liegen. Der Bundesrat muss sich noch mit dem Gesetz befassen.

Preiserhöhung beim Gas: Diese Fristen gelten

Ob und wie stark der eigene Tarif steigt, erfahren Kunden per Post. Grundversorger müssen eine Preiserhöhung sechs Wochen im Voraus ankündigen. Für den 1. Januar 2027 muss das Schreiben damit bis etwa 20. November vorliegen. Bei Sonderverträgen, also allen Tarifen außerhalb der Grundversorgung, gilt ein Vorlauf von mindestens einem Monat und damit spätestens der 1. Dezember.

Das Schreiben muss Anlass und Umfang der Erhöhung nennen und auf das Sonderkündigungsrecht hinweisen. Fehlt dieser Hinweis oder wird die Frist nicht eingehalten, kann die Preiserhöhung nach Angaben der Verbraucherzentrale unwirksam sein.

Wer eine Erhöhung erhält, kann den Vertrag ohne Kündigungsfrist zum Tag der Preisänderung beenden. Das gilt auch, wenn der Versorger die Erhöhung mit gestiegenen Netzentgelten begründet. Die Kündigung muss spätestens zum Inkrafttreten der neuen Preise beim Versorger eingehen. Aus der Grundversorgung kommen Kunden ohnehin jederzeit mit zwei Wochen Frist heraus. Wer kündigt, ohne einen Anschlussvertrag abgeschlossen zu haben, rutscht in die Ersatzversorgung und zahlt dort meist mehr.

Viele Preisgarantien sichern zudem nur den Energiepreis ab. Höhere Netzentgelte dürfen Versorger in diesen Fällen trotzdem weitergeben.

Ausblick: Preisbriefe und Börsenpreis im Blick

Spätestens bis Anfang Dezember müssen die Versorger Preiserhöhungen zum Jahreswechsel angekündigt haben. Erst dann lässt sich absehen, ob die von Verivox erwartete Spanne von 10 bis 20 Prozent eintritt und wie stark sich die Erhöhungen regional unterscheiden. Parallel steht die Befassung des Bundesrats mit dem CO2-Preis für 2027 aus.

Am Großhandelsmarkt hängt die weitere Entwicklung von der Lage im Nahen Osten, den LNG-Lieferungen und der Witterung ab. Wie schnell die Speicher bei länger anhaltender Kälte schrumpfen und zu welchem Preis zusätzliches Gas beschafft werden kann, bleiben die offenen Fragen dieser Heizperiode.