Bundesnetzagenturchef Klaus Müller schließt höhere Gaspreise für Neukunden nicht aus. Während die meisten Haushalte durch Preisgarantien zunächst geschützt sind, könnten Neukunden und Anschlussverträge teurer werden. Die Behörde stuft die Lage allerdings als deutlich weniger angespannt ein als zur Energiekrise 2022.

Kurz eingeordnet

  • Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, rechnet bei Anschlussverträgen mit moderaten Preissteigerungen.
  • Die Mehrheit der Haushalte ist durch Preisgarantien von zwölf Monaten oder länger zunächst abgesichert.
  • Die Bundesnetzagentur sieht keine Wiederholung der Krise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.
  • Die Gaspreise für Neukunden sind seit Jahresbeginn 2026 deutlich gestiegen.

Müller mahnt zur Sparsamkeit ohne Krisensignal

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hat gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärt, dass steigende Gaspreise für Verbraucher nicht auszuschließen seien. Den größten Teil der privaten Haushalte sieht er zwar kurzfristig geschützt, weil viele bestehende Verträge Preisgarantien über zwölf Monate oder länger enthalten. Beim Auslaufen dieser Tarife oder beim Wechsel in einen Anschlussvertrag könne es jedoch zu Preisanpassungen kommen.

Zugleich relativiert Müller die Lage. Er stellte klar, dass die aktuelle Situation nicht mit dem Preisschock vergleichbar sei, der nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die europäischen Gasmärkte erschüttert hatte. „Zum Glück ist die heutige Situation mit der vor fünf Jahren nicht vergleichbar“, sagte Müller dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

„Gas ist ein wertvolles Gut. Insofern gilt wie seit Jahren: Mit Gas sorgsam umzugehen, ist nicht verkehrt“,
mahnt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur.

So entwickeln sich die Gaspreise für Neukunden im Jahr 2026

Die Tarife für Neukunden zeigen seit Jahresbeginn 2026 eine klare Aufwärtsbewegung. Lag der durchschnittliche Gaspreis für einen Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch Anfang Januar noch bei rund 8 Cent je Kilowattstunde, kletterte der Wert bis Anfang April auf einen Höchststand von 10,95 Cent. Seither hat sich der Preis leicht beruhigt, liegt mit aktuell 9,72 Cent je Kilowattstunde aber weiterhin spürbar über dem Niveau vom Jahresanfang.

GAS

Durchschnittlicher Gaspreis 2026

Jahresverbrauch 20.000 kWh · Cent pro kWh · 01.01. – 18.05.2026

Aktuell
9,74 ct
18.05.2026
Höchstwert
10,95 ct
09.04.2026
Tiefstwert
7,90 ct
26.01.2026
Δ im Zeitraum
+22,1 %
seit 01.01.2026
Ø Gaspreis (ct/kWh)
Gaspreis-Verlauf als Tabelle (Monatsmittel)
MonatØ PreisSpanneΔ Vormonat
Januar 20268,01 ct7,90 – 8,08
Februar 20268,18 ct8,05 – 8,39+0,17
März 20269,46 ct8,19 – 10,84+1,28
April 202610,54 ct9,86 – 10,95+1,09
Mai 2026 (lfd.)9,76 ct9,66 – 9,83−0,78
Quelle: Verivox · gewichteter Durchschnitt der günstigsten Neukundentarife · Stand: 19.05.2026 14:52

In Summe ergibt sich seit dem 1. Januar 2026 ein Plus von rund 21,8 Prozent. Der Anstieg betrifft vor allem Verbraucher, die jetzt einen neuen Vertrag abschließen oder aus einem auslaufenden Tarif in die Grundversorgung oder in einen Anschlussvertrag wechseln. Wer aktuell noch in einem Tarif mit Preisgarantie steht, ist von der jüngsten Bewegung in der Regel nicht unmittelbar betroffen.

Großhandelspreis als Frühindikator für Endkundentarife

Ein zentraler Treiber für die Tarifentwicklung sind die Großhandelspreise an den europäischen Energiemärkten. Der Preis für Erdgas an der niederländischen Title Transfer Facility, kurz TTF, gilt dabei als europäischer Referenzwert. Aktuell liegt der TTF-Preis bei 50,92 Euro je Megawattstunde (20.05.2026 14:27). Versorger kalkulieren ihre Endkundentarife auf Basis dieser Großhandelspreise sowie weiterer Komponenten wie Beschaffungsaufschlägen, Netzentgelten, Steuern und staatlichen Abgaben.

GAS

TTF Erdgas aktuell

Großhandelspreis · EUR/MWh · Niederlande (TTF)

Aktuell
50,92 €/MWh
Δ Vortag
−0,33 %
vs. Schluss Vortag
Quelle
Yahoo Finance
TTF=F

Steigen die Beschaffungskosten über einen längeren Zeitraum, gelangen diese Veränderungen mit einigen Monaten Verzögerung in die Endkundentarife. Sinkende Notierungen wirken ebenfalls erst zeitversetzt entlastend. Die jüngste Bewegung bei den Neukundenpreisen spiegelt damit auch das Marktumfeld der vergangenen Monate wider.

Ausblick

Die weitere Entwicklung der Gaspreise hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen die Füllstände der europäischen Gasspeicher zum Ende der laufenden Heizperiode, die Verfügbarkeit von Flüssigerdgas auf dem Weltmarkt sowie geopolitische Einflüsse auf die Lieferketten. Auch regulatorische Entscheidungen, etwa zu Netzentgelten oder zur CO2-Bepreisung, können den Endpreis beeinflussen. Verbraucher, deren Preisgarantie in den kommenden Monaten endet, sollten die Tarifentwicklung beobachten und Angebote vergleichen. Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, die Marktlage weiter eng zu begleiten.