Wenige Tage vor dem nächsten gesetzlichen Stichtag ist der Gasspeicher Füllstand in Deutschland so niedrig wie zu dieser Jahreszeit seit mindestens 2017 nicht. Die Bundesnetzagentur hält die Versorgung dennoch für gesichert, rechnet aber mit vergleichsweise knappen Reserven am Ende des Winters.
Kurz eingeordnet
- Die Füllstandsvorgaben der deutschen Gasspeicherfüllstandsverordnung gelten für jede einzelne Speicheranlage, nicht für den bundesweiten Durchschnitt.
- Für das Befüllen der Speicher sind grundsätzlich die Gashändler zuständig. Sie entscheiden nach Marktlage, wann sie Gas einlagern.
- Seit dem 1. Juli 2025 gilt im Notfallplan Gas die Frühwarnstufe, die mildeste der drei Krisenstufen.
- Die EU hat ihr 90-Prozent-Speicherziel 2025 flexibler gestaltet und bis Ende 2027 verlängert.
Gasspeicher Füllstand so niedrig wie seit Jahren nicht
Gasspeicher-Füllstand Deutschland 2026
Tagesaktuelle Füllstände in % · 01.01. – 19.10.2026
Füllstand als Tabelle (Monatsmittel)
| Monat | Ø Füllstand | Spanne | Δ Vormonat |
|---|---|---|---|
| Januar 2026 | 43,6 % | 32,4 – 56,2 % | — |
| Februar 2026 | 24,2 % | 20,5 – 31,9 % | −19,3 |
| März 2026 | 21,7 % | 20,8 – 22,4 % | −2,5 |
| April 2026 | 23,5 % | 21,8 – 25,7 % | +1,7 |
| Mai 2026 | 28,7 % | 26,1 – 32,5 % | +5,2 |
| Juni 2026 | 37,1 % | 32,7 – 41,7 % | +8,4 |
| Juli 2026 | 44,7 % | 42,0 – 46,8 % | +7,5 |
| August 2026 | 49,8 % | 46,8 – 53,3 % | +5,1 |
| September 2026 | 55,9 % | 53,6 – 58,0 % | +6,2 |
| Oktober 2026 (lfd.) | 59,8 % | 58,2 – 61,2 % | +3,9 |
| Quelle: GIE AGSI · EU REMIT-Reporting · Stand: 23.10.2026 20:25 | |||
Am 19. Oktober 2026 waren die deutschen Gasspeicher zu 61,2 Prozent gefüllt. Das entspricht rund 151,4 Terawattstunden (TWh) bei einer Gesamtkapazität von etwa 247,4 TWh. Die Zahlen zum Gasspeicher Füllstand stammen aus der europäischen Speicherplattform AGSI und werden von Energieaktuell hier täglich aktualisiert und aufbereitet.
Ein Jahr zuvor lag der Gasspeicher Füllstand am selben Tag bei 75,5 Prozent, also 14,3 Prozentpunkte höher. Noch deutlicher ist der Abstand zum Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021, der für diesen Tag 88,8 Prozent beträgt. In den Jahren 2022 bis 2024 waren die Speicher Mitte Oktober sogar zu 96,6 bis 98,4 Prozent gefüllt.
Der niedrige Gasspeicher Füllstand hat eine Vorgeschichte. Im zurückliegenden Winter sank der Füllstand am 25. Februar 2026 auf 20,5 Prozent. Im Vorjahr hatte der Tiefstwert noch bei 28,7 Prozent gelegen. Die Speicher starteten 2026 also von einem besonders niedrigen Niveau in die Einspeichersaison.
Warum sich die Gasspeicher nur langsam füllen
Die Einspeicherung verläuft seit dem Frühjahr gleichmäßig, aber gemessen an früheren Jahren verhalten. In den vergangenen 30 Tagen stieg der Füllstand um 4,6 Prozentpunkte. Das entspricht im Schnitt rund 0,15 Prozentpunkten pro Tag. Täglich wurden durchschnittlich etwa 450 Gigawattstunden eingespeichert, nach Abzug der Entnahmen blieben netto rund 390 Gigawattstunden.
Die Bundesnetzagentur führt die zuletzt teils niedrigen Einspeichermengen auf die Absicherungsstrategien der Händler zurück und stuft sie nicht als kritisch ein. Hinzu kommt ein Marktmechanismus: Gasspeicher rechnen sich für Händler vor allem dann, wenn Gas im Sommer deutlich günstiger ist als im Winter. Bei hohen Großhandelspreisen ist dieser Preisabstand zuletzt geschrumpft, was das Einlagern weniger attraktiv macht.
Die Bundesregierung hat deshalb nachgesteuert. Ende September wies Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche das bundeseigene Unternehmen SEFE an, bis zum 15. Dezember zusätzlich 8 TWh Gas zu beschaffen und einzuspeichern. Das entspricht gut drei Prozent der deutschen Speicherkapazität. Ab 2027 plant die Ministerin zudem eine strategische Gasreserve. Wie diese finanziert wird, ob über eine Umlage auf die Gaskunden oder aus dem Bundeshaushalt, ist noch offen.
Was der Gasspeicher Füllstand für Verbraucher bedeutet
Nach der Gasspeicherfüllstandsverordnung müssen die meisten Speicher am 1. November zu 80 Prozent gefüllt sein. Für sechs Porenspeicher, darunter Rehden, gilt eine Vorgabe von 45 Prozent. Zum 1. Februar sinken die Vorgaben auf 30 beziehungsweise 40 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt liegt derzeit knapp 19 Prozentpunkte unter der 80-Prozent-Marke.
Auf EU-Ebene gilt ein Ziel von 90 Prozent, das die Mitgliedstaaten an einem beliebigen Tag zwischen dem 1. Oktober und dem 1. Dezember erreichen können. Unter schwierigen Marktbedingungen sind Abweichungen von bis zu zehn Prozentpunkten zulässig.
Die Bundesnetzagentur sieht in ihrer Lagebewertung vom 20. Oktober keine Gefahr für die Versorgung. Die Importe sind stabil: Zwischen dem 12. und 18. Oktober kamen 17,3 TWh über Pipelines und 1,6 TWh über deutsche LNG-Terminals ins Land. Auf dem Weltmarkt sei ausreichend Gas verfügbar.
„Es ist für die sichere Gasversorgung auch nicht zwingend, dass die Füllstandsziele zum November erreicht werden.“
Bundesnetzagentur, Lagebewertung vom 20. Oktober 2026
Für private Haushalte ist daher vor allem der Preis relevant. Die Behörde beobachtet die Lage im Nahen Osten, die auf die Großhandelspreise wirkt. Ob und wie stark höhere Preise bei Endkunden ankommen, hängt laut Bundesnetzagentur von der Dauer des Konflikts, der Beschaffung der Versorger und den jeweiligen Vertragsbedingungen ab. Einen sparsamen Umgang mit Gas hält die Behörde wegen des erhöhten Preisniveaus für sinnvoll.
Ausblick: Stichtag 1. November und Verlauf des Winters
Der nächste Prüfstein für den Gasspeicher Füllstand ist der 1. November, an dem die nationalen Füllstandsvorgaben greifen. Bis Mitte Dezember sollen zudem die zusätzlichen Mengen von SEFE in die Speicher fließen. Wie stark die Reserven im Winter beansprucht werden, hängt maßgeblich von den Temperaturen und der Importlage ab. Die Bundesnetzagentur hält einen vergleichsweise niedrigen Gasspeicher Füllstand am Ende des Winters für wahrscheinlich. Offen bleibt, wie die geplante strategische Gasreserve ab 2027 ausgestaltet und finanziert wird.
