Der Strompreis für Neukunden steigt aktuell in Deutschland seit Ende Februar spürbar an. Auslöser ist der Iran-Krieg, der die Gaspreise in Europa in die Höhe treibt und über den Merit-Order-Mechanismus auch den Strommarkt erfasst. Die Entlastungen durch gesunkene Netzentgelte werden damit teilweise aufgezehrt.

Kurz eingeordnet

  • Die Strompreise für Neukunden sind seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar von rund 24,9 auf 27,5 Cent pro Kilowattstunde gestiegen – ein Plus von rund 10 Prozent.
  • Steigende Gaspreise an den europäischen Großhandelsmärkten übertragen sich über das Merit-Order-Prinzip direkt auf den Strompreis.
  • Bestandskunden mit laufenden Verträgen und Preisgarantien sind vorerst kaum betroffen – anders als Verbraucher, die aktuell einen neuen Vertrag abschließen.
  • Die zu Jahresbeginn eingetretenen Preissenkungen durch den Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro zu den Netzentgelten werden durch die aktuelle Krise teilweise konterkariert.

Iran-Krieg treibt Gaspreise – und damit den Strompreis

Seit dem Beginn des militärischen Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran am 28. Februar 2026 hat sich die Lage am Energiemarkt grundlegend verändert. Die teilweise Blockade der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Transportrouten für Öl und Flüssiggas (LNG), hat das Angebot auf den Weltmärkten verknappt und die Preise nach oben getrieben.

Der europäische Gaspreis stieg zeitweise auf rund 74 Euro pro Megawattstunde – mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der Monate Januar und Februar (rund 36 Euro pro Megawattstunde). An der Strombörse kletterte der Großhandelspreis zwischenzeitlich auf 149 Euro pro Megawattstunde, ein Anstieg von etwa 45 Prozent gegenüber dem Mittel der ersten beiden Monate des Jahres.

Der Zusammenhang zwischen Gas- und Strompreis erklärt sich durch das sogenannte Merit-Order-Prinzip: Am Strommarkt bestimmt das jeweils teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage benötigt wird, den Preis für alle. In Deutschland sind das häufig Gaskraftwerke, die einspringen, wenn Wind- und Solarenergie nicht ausreichen. Steigt der Gaspreis, verteuert sich also auch der Strom – unabhängig davon, wie viel erneuerbarer Strom gerade ins Netz fließt.

Was Verbraucher jetzt spüren – und wer geschützt ist

Die Auswirkungen treffen Neukunden und Verbraucher, die aktuell einen Vertrag abschließen, am stärksten. Laut einer Auswertung des Verbraucherportals StromAuskunft ist der bundesweite Durchschnittspreis der günstigsten verfügbaren Neukundentarife von 23,6 auf 26,12 Cent pro Kilowattstunde gestiegen – ein Plus von rund 10,7 Prozent innerhalb von vier Wochen (Stand: 16. März 2026). Der Geldratgeber Finanztip ermittelte für Tarife mit zwölf Monaten Preisgarantie einen Anstieg auf 31,68 Cent pro Kilowattstunde, was einer Steigerung von über fünf Prozent innerhalb von drei Wochen entspricht. Die Unterschiede in den absoluten Werten erklären sich durch unterschiedliche Berechnungsmethoden und Tariffilter der Portale.

STROM

Durchschnittlicher Strompreis 2026

Jahresverbrauch 4.000 kWh · Cent pro kWh · 01.01. – 18.04.2026

Ø Strompreis (ct/kWh)

Für Bestandskunden mit laufenden Verträgen und Preisgarantien besteht vorerst kein unmittelbarer Handlungsdruck. Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass sich die steigenden Börsenpreise bei längerfristigen Verträgen wegen bestehender Preisgarantien nicht sofort auswirken. Große Energieversorger sichern den Strombedarf ihrer Bestandskunden in der Regel langfristig am Terminmarkt ab. Wie lange dieser Schutz trägt, hängt jedoch von der Dauer des Konflikts ab.

Regional fallen die Preissteigerungen unterschiedlich aus. Besonders stark betroffen sind laut aktuellen Auswertungen Bremen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen mit Aufschlägen von teils über 10 Prozent. In Hamburg und Berlin fielen die Anstiege mit rund 7 Prozent etwas geringer aus.

Dieser Anstieg ist ungewöhnlich stark. Hintergrund sind steigende Gaspreise, die sich nun auch auf die Strompreise niederschlagen.“, Benjamin Weigl, Finanztip-Experte für Energie (Stand: 17. März 2026)

Ausblick

Wie sich die Strompreise in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln, hängt maßgeblich vom Verlauf des Konflikts im Nahen Osten ab. An den Terminmärkten sind die Preise für Stromlieferungen im Jahr 2027 bereits um fast 15 Prozent gestiegen – ein Hinweis darauf, dass Händler mit einer länger anhaltenden Belastung rechnen.

Auf EU-Ebene prüft Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten, darunter eine mögliche Gaspreisdeckelung und Subventionen. In Deutschland dämpft der bereits beschlossene Netzentgelte-Zuschuss die Auswirkungen für Endkunden. Sollte der Gaspreis jedoch dauerhaft auf dem aktuellen Niveau bleiben oder weiter steigen, dürften auch Bestandsverträge bei der nächsten Verlängerung teurer werden.

Die Bundesnetzagentur empfiehlt Verbrauchern, ihre bestehenden Verträge zu prüfen und gegebenenfalls frühzeitig einen neuen Tarif mit Preisgarantie abzuschließen, um sich gegen weitere Preisanstiege abzusichern. Gleichzeitig verweisen Energieexperten auf die strukturelle Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Importen – und auf die Notwendigkeit, den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen, um künftig weniger anfällig für geopolitische Preiskrisen zu sein.