Der Krieg mit Iran sorgt an den Energiemärkten für neue Unsicherheit. Besonders der europäische Gaspreis reagiert empfindlich auf mögliche Lieferstörungen im Nahen Osten. Für Deutschland bedeutet das steigende Beschaffungskosten, mögliche Folgen für Industrie und Haushalte, sowie indirekte Auswirkungen auf den Strompreis.

Kurz eingeordnet

  • Europäische Gaspreise steigen wegen Risiken für LNG-Lieferungen aus dem Nahen Osten.
  • Hintergrund sind Sorgen um Energieexporte über die Straße von Hormus.
  • Höhere Gaspreise wirken sich auch auf den Strompreis aus, da Gaskraftwerke häufig den Marktpreis bestimmen.

Update (18.03.2026 07:07): Der Gaspreis liegt aktuell bei 51,559 €/MWh.

Der europäische Gasmarkt reagiert sensibel auf geopolitische Spannungen. Seit Beginn des Kriegs mit Iran sind die Gaspreise deutlich gestiegen. Gas TTF Futures kletterten zum Handelsschluss am Donnerstag zuletzt auf rund 50 Euro je Megawattstunde. Einschließlich der vorherigen Kursbewegungen liegt der Preis damit inzwischen rund zehn Prozent über dem Niveau der vergangenen Woche.

Auslöser sind vor allem Risiken für den internationalen Flüssiggasmarkt. Ein zentraler Faktor ist die Straße von Hormus. Durch diese Meerenge zwischen Iran und Oman wird ein erheblicher Teil der weltweiten Energieexporte transportiert, darunter auch rund ein Fünftel des global gehandelten LNG. Kommt es dort zu militärischen Zwischenfällen oder Einschränkungen des Schiffsverkehrs, reagieren Energiehändler unmittelbar mit Preisaufschlägen.

Der Konflikt hat die Sorge ausgelöst, dass Lieferungen aus wichtigen Exportländern im Persischen Golf beeinträchtigt werden könnten. Europa ist seit dem starken Rückgang russischer Pipelineimporte stärker auf LNG angewiesen und damit stärker in globale Marktbewegungen eingebunden. Jede Störung zentraler Transportwege kann deshalb kurzfristig die Beschaffungskosten erhöhen.

Bedeutung für die Gasversorgung in Deutschland

Für Deutschland hat die Entwicklung mehrere Dimensionen. Zum einen wirken sich steigende Großhandelspreise mittelfristig auf die Kosten für Energieversorger aus. Unternehmen sichern zwar einen Teil ihres Gasbedarfs langfristig ab, müssen jedoch auch regelmäßig am Spot- und Terminmarkt einkaufen.

Steigen dort die Preise, erhöhen sich in der Regel mit zeitlicher Verzögerung auch die Beschaffungskosten für Versorger. Diese können teilweise an Endkunden weitergegeben werden. Besonders relevant ist dies für energieintensive Industrien wie Chemie, Stahl oder Glasproduktion, bei denen Gas sowohl als Energieträger als auch als Rohstoff eingesetzt wird.

Deutschland hat in den vergangenen Jahren zwar seine Gasversorgung diversifiziert. Neben Pipelinegas aus Norwegen und den Niederlanden spielen LNG-Importe über neue Terminals eine größere Rolle. Dennoch bleibt der europäische Markt eng mit globalen Entwicklungen verbunden. Steigende Preise auf dem Weltmarkt wirken sich daher unmittelbar auf die europäischen Handelsplätze aus.

Ein weiterer Faktor sind die Speicherstände. Nach dem Winter sinken die europäischen Gasspeicher traditionell auf niedrigere Füllstände. In dieser Phase reagieren Märkte besonders empfindlich auf geopolitische Risiken, da die Speicher im Sommer wieder aufgefüllt werden müssen. Niedrige Reserven können Preisschwankungen zusätzlich verstärken.

Auswirkungen auf den Strompreis

Der Gaspreis ist nicht nur für den Wärmemarkt relevant. Auch der Strommarkt in Europa reagiert unmittelbar auf Veränderungen beim Gaspreis.

In vielen Stunden bestimmen Gaskraftwerke den Strompreis an der Börse. Das liegt am sogenannten Merit-Order-Prinzip: Kraftwerke mit den niedrigsten variablen Kosten speisen zuerst ein, während teurere Anlagen den Preis setzen, wenn zusätzliche Nachfrage gedeckt werden muss. Häufig sind es flexible Gaskraftwerke, die in diesen Situationen den Grenzpreis bestimmen.

Steigt der Gaspreis, erhöhen sich die Produktionskosten dieser Anlagen. Der Effekt überträgt sich direkt auf den Großhandelsstrompreis. Besonders in Zeiten geringer Wind- oder Solarproduktion wird dieser Zusammenhang sichtbar, da dann mehr Gas für die Stromerzeugung benötigt wird.

Für Verbraucher bedeutet das: Höhere Gaspreise können indirekt auch die Stromkosten erhöhen. Zwar sind Haushaltsstromtarife häufig langfristig abgesichert, doch langfristig wirken steigende Beschaffungskosten auch hier auf neue Vertragsangebote und Tarifstrukturen.

Ausblick

Die weitere Entwicklung der Gaspreise hängt maßgeblich vom Verlauf des Konflikts im Nahen Osten ab. Entscheidend ist insbesondere, ob Energieexporte über die Straße von Hormus weiterhin ungestört stattfinden können.

Für Europa wird zudem wichtig sein, wie schnell Gasspeicher im Laufe des Sommers wieder gefüllt werden können und wie sich die globale LNG-Nachfrage entwickelt. Beide Faktoren beeinflussen maßgeblich das Preisniveau vor dem kommenden Winter.