Der Börsenstrompreis in Deutschland ist im Oktober 2026 deutlich gestiegen. Nach Daten der Bundesnetzagentur liegt der Großhandelspreis im laufenden Monat bisher etwa doppelt so hoch wie vor einem Jahr. Treiber ist vor allem das teure Erdgas, das über Gaskraftwerke den Strompreis mitbestimmt.

Kurz eingeordnet

  • Der Großhandelspreis am Day-Ahead-Markt ist die Referenz für dynamische Stromtarife und ein Faktor bei der Beschaffung der Versorger für künftige Lieferzeiträume.
  • Ein Monatsdurchschnitt auf diesem Niveau wurde zuletzt im Dezember 2022 erreicht, also während der Energiekrise.
  • Bei den Verbraucherpreisen ist der Anstieg bislang nicht angekommen: Strom war im September für private Haushalte günstiger als ein Jahr zuvor.
  • Der aktuelle Day-Ahead-Strompreis für den 24.10.2026 liegt bei 30,12 EUR/MWh.

Börsenstrompreis: Was die Daten zeigen

Grundlage sind die Marktdaten der Plattform SMARD, die die Bundesnetzagentur betreibt. Für die Gebotszone Deutschland/Luxemburg weist SMARD für jeden Tag einen durchschnittlichen Großhandelspreis aus. Aus den Tageswerten vom 1. bis 21. Oktober 2026 ergibt sich ein Durchschnitt von rund 169,93 Euro je Megawattstunde. Umgerechnet sind das knapp 17 Cent je Kilowattstunde, allerdings ohne Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Vertriebskosten.

Zum Vergleich: Im Oktober 2025 lag der Monatsdurchschnitt bei 84,40 Euro je Megawattstunde. Der aktuelle Wert ist damit rund doppelt so hoch. Auch gegenüber den Vormonaten zeigt sich ein klarer Aufwärtstrend. Im August 2026 betrug der Durchschnitt 126,89 Euro, im September 144,82 Euro je Megawattstunde. Im April 2026 waren es noch 78,52 Euro.

Ein vergleichbares Niveau gab es zuletzt Ende 2022. Im November 2022 lag der Monatsdurchschnitt bei 173,63 Euro, im Dezember 2022 bei 251,62 Euro je Megawattstunde. Seitdem lag kein Monatswert mehr über dem bisherigen Oktoberdurchschnitt.

Warum der Gaspreis den Börsenstrompreis treibt

Die Preisbildung an der Strombörse folgt dem sogenannten Merit-Order-Prinzip. Die Kraftwerke werden nach ihren Grenzkosten sortiert, die günstigsten kommen zuerst zum Zug. Den Preis für alle Anbieter bestimmt das letzte Kraftwerk, das noch benötigt wird, um die Nachfrage zu decken. Erneuerbare Energien haben in der Regel die niedrigsten Grenzkosten, Gaskraftwerke gehören zu den teuersten. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags haben diesen Mechanismus bereits in der Energiekrise 2022 beschrieben.

Wenn Wind und Sonne die Nachfrage nicht decken, werden Gaskraftwerke gebraucht und setzen häufig den Preis. Steigt der Gaspreis, verteuert sich damit der Börsenstrompreis insgesamt. Umgekehrt sinkt der Preis in Stunden, in denen ein hohes Angebot an Wind- und Solarstrom teure Kraftwerke aus dem Markt drängt. Das erklärt die großen Unterschiede zwischen einzelnen Tagen.

Die Bundesnetzagentur stellt in ihrer Lagebewertung zur Gasversorgung vom 22. Oktober 2026 fest: „Die Preiseffekte auf den Weltmärkten wirken sich auch auf die europäischen Großhandelspreise aus.“ Die Füllstände der deutschen Gasspeicher lagen demnach bei 61,1 Prozent. Die Behörde bezeichnet die Gasversorgung als stabil, rät Haushalten aber angesichts des erhöhten Preisniveaus weiterhin zu einem sparsamen Umgang mit Gas.

Was der hohe Börsenstrompreis für Verbraucher bedeutet

Unmittelbar betroffen sind Haushalte mit dynamischem Stromtarif. Bei diesen Tarifen ändert sich der Arbeitspreis mit dem Börsenstrompreis, seit Oktober 2025 im Viertelstundentakt. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass sich solche Tarife vor allem für Haushalte mit großen, zeitlich flexiblen Verbrauchern wie Elektroauto, Wärmepumpe oder Batteriespeicher eignen. Wer seinen Verbrauch in günstige Stunden verlagern kann, ist von hohen Durchschnittspreisen weniger stark betroffen.

Für Kunden mit festen Tarifen wirkt sich der Großhandelspreis nur zeitversetzt aus. Versorger kaufen Strom meist über längere Zeiträume im Voraus ein, zudem macht der Beschaffungsanteil nur einen Teil des Endkundenpreises aus. Die amtliche Statistik zeigt bislang keinen Anstieg: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts waren die Strompreise für Verbraucher im September 2026 um 5,5 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Ausblick

Der endgültige Monatsdurchschnitt für Oktober steht erst nach dem Monatsende fest. Wie sich der Börsenstrompreis in den kommenden Wochen entwickelt, hängt maßgeblich vom Gaspreis sowie vom Angebot an Wind- und Solarstrom ab. Offen ist, in welchem Umfang die gestiegenen Großhandelspreise bei der Tarifgestaltung für 2027 eine Rolle spielen. Energieaktuell bereitet die Day-Ahead-Strompreise hier täglich aktualisiert auf.