In Deutschland erreicht Vehicle-to-Grid 2026 erstmals den Privatkundenmarkt. BMW und E.ON bieten ihr Paket bereits an, Volkswagen folgt gemeinsam mit der Konzerntochter Elli im vierten Quartal. Privatkunden sollen mit der Technologie mehrere hundert Euro im Jahr einsparen können.
Kurz eingeordnet
- BMW Group und E.ON haben Anfang Februar 2026 das nach eigenen Angaben erste kommerzielle V2G-Paket Deutschlands auf den Markt gebracht
- Volkswagen und Elli kündigen den Marktstart eines integrierten V2G-Angebots für das vierte Quartal 2026 an, eine Vorregistrierung ist ab Juni 2026 möglich
- Beide Modelle stellen Einsparungen in einer Spanne zwischen 700 und 900 Euro pro Jahr in Aussicht
- Voraussetzung in beiden Angeboten ist eine bidirektionale Wallbox in Kombination mit einem intelligenten Messsystem (Smart Meter)
Vehicle-to-Grid in Deutschland: BMW und E.ON starten den Verkauf
Anfang Februar 2026 haben die BMW Group und der Energieversorger E.ON das nach eigenen Angaben erste kommerzielle Vehicle-to-Grid-Angebot für Privatkunden in Deutschland auf den Markt gebracht. Das Produktpaket besteht aus der bidirektionalen BMW Wallbox Professional mit 11 Kilowatt Ladeleistung, einem V2G-Stromtarif von E.ON (E.ON ÖkoStrom Home & Drive V2G mit separatem Einspeisevertrag) und einem intelligenten Messsystem. Auf Fahrzeugseite ist zunächst ein Elektroauto der Neuen Klasse erforderlich, derzeit also der BMW iX3.
Das Vergütungsmodell setzt auf zwei Komponenten. Über einen Einspeisevertrag erhalten Kunden eine Pauschalvergütung, die sich aus der Zeit ergibt, in der das Fahrzeug an der Wallbox angesteckt und Vehicle-to-Grid aktiviert ist. Diese Vergütung fällt unabhängig davon an, ob tatsächlich geladen oder entladen wird. Laut Pressemitteilung sind so Bonuszahlungen von bis zu 720 Euro pro Jahr möglich, bei rund 250 Ansteckstunden im Monat und einem Satz von 24 Cent pro Stunde. Hinzu kommt eine separate Vergütung von 40 Cent pro Kilowattstunde, die aus der Fahrzeugbatterie ins Netz zurückgespeist wird. Die ersten 100 BMW iX3 Kunden, die sich für den V2G-Stromtarif entscheiden, erhalten zudem einen Rabatt von 700 Euro auf die Wallbox.
Volkswagen folgt mit integriertem V2G-Paket über Elli
Volkswagen bereitet den Markteintritt in das bidirektionale Laden für Privatkunden ebenfalls vor. In einer Pressemitteilung vom 16. April 2026 kündigte der Konzern gemeinsam mit seiner Energiemarke Elli ein vollständig integriertes Vehicle-to-Grid-Angebot für das vierte Quartal 2026 in Deutschland an. Eine Vorregistrierung soll bereits ab Juni 2026 möglich sein. Das Paket umfasst nach Konzernangaben ein geeignetes E-Fahrzeug, eine DC-bidirektionale Wallbox, einen Smart Meter, einen dynamischen Stromtarif und eine Steuerungs-App.
Technische Basis ist die modulare E-Antriebsplattform MEB. Nach Angaben des Konzerns sind in Europa bereits rund eine Million Fahrzeuge auf dieser Plattform technisch für bidirektionales Laden vorbereitet. Die VW ID.-Elektroautos sind dazu ab Baujahr 2023 geeignet. Mit der kommenden ID. Software 6 will Volkswagen die Funktion auf weitere Batteriegrößen ausweiten. Elli übernimmt im System die Rolle eines Orchestrators und verbindet Wallbox, Tarif, App und den Stromhandel an der Börse EPEX Spot.
Was V2G für Verbraucher bedeutet
Vehicle-to-Grid kehrt die klassische Lade-Logik um. Statt Strom nur aus dem Netz zu beziehen, stellt das Elektroauto seine Batterie auch als Speicher zur Verfügung. Geladen wird bevorzugt in Phasen niedriger Großhandelspreise, eingespeist wird, wenn der Bedarf im Netz und damit auch die Preise hoch sind. Für Privatkunden entstehen daraus zwei Effekte: niedrigere Ladekosten durch automatisiertes Laden in Niedrigpreisphasen und zusätzliche Einnahmen aus der Bereitstellung der Batterie für das Netz.
Volkswagen beziffert das jährliche Einsparpotenzial in einer ersten Markteinschätzung auf 700 bis 900 Euro. BMW und E.ON nennen für ihr Modell ein Bonusmaximum von 720 Euro im Jahr, was nach Konzernrechnung kalkulatorisch zwischen rund 12.000 und 14.000 Kilometer jährliche Fahrleistung im BMW iX3 50 xDrive abdeckt. Voraussetzung in beiden Fällen ist ein Smart Meter im Haushalt. Dessen Rollout gilt als Engpass; Elli verweist hierfür auf einen kooperierenden Messstellenbetreiber und gibt eine Installationsdauer von in der Regel acht bis zehn Wochen an.
Über die individuelle Ersparnis hinaus argumentieren beide Anbieter mit einem systemischen Nutzen. Mobile Fahrzeugbatterien können Überschüsse aus Solar- und Windstrom aufnehmen und in Stunden hoher Nachfrage wieder abgeben. Volkswagen verweist auf Studien, denen zufolge in Europa bis 2040 jährlich rund 22 Milliarden Euro an Systemkosten eingespart werden können. Allein in Deutschland seien zuletzt rund 9.500 Gigawattstunden erneuerbare Energien abgeregelt worden – genug, um rund drei Millionen Elektrofahrzeuge ein Jahr lang zu betreiben.
Ausblick
Die kommenden Monate dürften zeigen, wie schnell sich Vehicle-to-Grid in der Breite durchsetzt. Bei BMW und E.ON entscheidet sich, wie stark die Nachfrage nach der bidirektionalen Wallbox und dem dazugehörigen Stromtarif tatsächlich ausfällt. Bei Volkswagen wird die Vorregistrierung im Juni 2026 ein erster Indikator dafür sein, wie viele Privatkunden bereit sind, ihr Fahrzeug aktiv in den Strommarkt einzubringen. Offen ist außerdem, in welchem Tempo weitere Hersteller mit konkreten Angeboten nachziehen und wie sich der parallele Smart-Meter-Rollout auf die Skalierung von Vehicle-to-Grid in Deutschland auswirkt.