Wer zum ersten Mal den Stromanbieter wechseln möchte, steht oft vor denselben Fragen: Darf ich das als Mieter überhaupt? Droht dabei ein Stromausfall? Und wo lauern die Fallstricke? Dieser Ratgeber erklärt, wie der Wechsel 2026 abläuft und worauf Sie achten sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- Als Mieter können Sie Ihren Stromanbieter frei wählen – die Zustimmung des Vermieters ist nicht erforderlich.
- Seit dem 6. Juni 2025 muss der technische Wechsel des Stromanbieters werktags innerhalb von 24 Stunden erfolgen.
- Ein Stromausfall beim Anbieterwechsel ist gesetzlich ausgeschlossen; die Versorgung ist durch Grund- und Ersatzversorgung jederzeit gesichert.
- Die Ersatzversorgung dauert maximal drei Monate und ist häufig deutlich teurer als ein regulärer Tarif.
- Typische Stolperfallen sind Mindestlaufzeiten, auslaufende Neukundenboni im zweiten Vertragsjahr und separate Tarife für Nachtstrom oder Heizstrom.
Stromanbieter wechseln als Mieter: Ihre Rechte und die Ausgangslage
Als Mieter in Deutschland können Sie Ihren Stromanbieter frei wählen. Der Mietvertrag spielt dabei keine Rolle: Sie selbst sind Vertragspartner des Energieversorgers, nicht Ihr Vermieter. Eine Zustimmung oder Information des Vermieters ist nicht erforderlich, solange Sie einen eigenen Stromzähler in Ihrer Wohnung haben.
Ziehen Sie in eine Wohnung ein und verbrauchen Strom, ohne einen eigenen Vertrag abzuschließen, entsteht automatisch ein Vertrag mit dem örtlichen Grundversorger. Das regeln § 36 des Energiewirtschaftsgesetzes und die StromGVV. Der Grundversorger ist das Unternehmen, das im Netzgebiet die meisten Haushalte beliefert. Sie finden ihn auf der Website des örtlichen Netzbetreibers oder im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur.
Die Grundversorgung ist eine sichere Standardlösung, aber selten die günstigste. Laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur bezieht rund ein Viertel der Haushalte in Deutschland Strom über die Grundversorgung – oft ohne es zu wissen. Wer aktiv einen Sondervertrag abschließt, erhält in der Regel bessere Konditionen. Eine Ausnahme sind Wohnungen mit Wärmepumpe oder Nachtspeicherheizung: Hier ist ein zweiter Heizstromzähler erforderlich, und das Tarifangebot ist deutlich kleiner als beim klassischen Haushaltsstrom.
So können Sie den Stromanbieter wechseln: Schritt für Schritt
Seit dem 6. Juni 2025 muss der technische Lieferantenwechsel werktags innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen sein. Das heißt jedoch nicht, dass Sie von heute auf morgen beim neuen Anbieter landen: Ihre bestehende Kündigungsfrist bleibt unberührt. Die Neuregelung betrifft ausschließlich den technischen Ablauf zwischen neuem Anbieter, Netzbetreiber und Messstellenbetreiber.
Für den schnellen Wechsel benötigen Sie die elfstellige Marktlokations-Identifikationsnummer (MaLo-ID). Sie steht auf Ihrer aktuellen Stromrechnung. Alternativ genügt die Zählernummer – Ihr neuer Anbieter ermittelt die MaLo-ID dann selbst. In der Regel übernimmt der neue Anbieter auch die Kündigung Ihres alten Vertrags. Nur bei einem Sonderkündigungsrecht, etwa nach einer angekündigten Preiserhöhung, müssen Sie selbst kündigen.
Wichtig: Rückwirkende An- und Abmeldungen sind seit der Reform nicht mehr möglich. Bei einem Umzug oder Wechsel müssen Sie sich spätestens 14 Tage vorher anmelden. Versäumen Sie diese Frist, landen Sie zunächst beim Grundversorger.
Checkliste: Stromanbieter wechseln in 5 Schritten
- Aktuelle Stromrechnung heraussuchen und Laufzeit, Kündigungsfrist sowie MaLo-ID notieren.
- Realistischen Jahresverbrauch in Kilowattstunden ermitteln (Vorjahresrechnung oder Zählerstand).
- Tarife auf seriösen Vergleichsportalen oder direkt beim Anbieter vergleichen.
- Wechselantrag online ausfüllen – der neue Anbieter kündigt den alten Vertrag für Sie.
- Nach Eingang der Vertragsbestätigung Laufzeit, Preis und Abschlag auf Richtigkeit prüfen.
Typische Fallstricke beim Stromanbieter wechseln
Der Wechsel selbst ist unkompliziert – die eigentliche Herausforderung liegt bei der Tarifwahl. Ein häufiger Fehler ist der alleinige Blick auf den Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Ebenso wichtig ist der monatliche Grundpreis, der unabhängig vom Verbrauch anfällt. Auch Bonuszahlungen und Preisgarantien verdienen Beachtung: Neukundenboni machen das erste Vertragsjahr optisch günstig, fallen danach aber weg. Eine Preisgarantie schützt meist nicht vor allen Preisbestandteilen – Steuern, Abgaben und Netzentgelte sind in der Regel ausgenommen.
Mieter sollten zudem auf die Mindestlaufzeit achten. Kurze Laufzeiten bieten Flexibilität, was bei unsicheren Wohnverhältnissen sinnvoll sein kann; längere Laufzeiten bringen dafür Preisstabilität. Die Verbraucherzentrale warnt vor Tarifen mit Vorauskasse, Paketpreisen oder Kautionen, da hier im Fall einer Anbieterinsolvenz ein hohes finanzielles Risiko besteht.
| Kriterium | Grundversorgung | Sondervertrag |
|---|---|---|
| Kündigungsfrist | 2 Wochen | laut Vertrag, oft 4–6 Wochen |
| Preisänderung | 6 Wochen Vorankündigung | laut Vertragsbedingungen |
| Preisniveau | meist hoch | meist günstiger |
| Mindestlaufzeit | keine | oft 12 Monate |
Ein weiterer Fallstrick: Wer Heizstrom oder Nachtstrom bezieht, hat einen zweiten Zähler. Für diesen gelten eigene Tarife, und die Auswahl an Anbietern ist deutlich begrenzter.
Droht ein Stromausfall beim Stromanbieter wechseln? Grund- und Ersatzversorgung als Sicherheitsnetz
Die gute Nachricht vorweg: Ein Stromausfall wegen eines Anbieterwechsels ist in Deutschland rechtlich ausgeschlossen. Das Energiewirtschaftsgesetz stellt sicher, dass Haushalte lückenlos versorgt werden – selbst wenn der neue Vertrag verspätet beginnt oder der bisherige Anbieter insolvent wird.
Greift kein regulärer Liefervertrag, übernimmt automatisch der örtliche Grundversorger die Belieferung. Je nach Ursache gelten dabei unterschiedliche Regeln. Bei einer geplanten Kündigung oder beim Einzug in eine neue Wohnung kommt ein Grundversorgungsvertrag zustande, den Sie mit zwei Wochen Frist wieder kündigen können. Bei einer Insolvenz des bisherigen Anbieters greift dagegen die Ersatzversorgung als gesetzliche Notversorgung. Sie dauert maximal drei Monate und kann in dieser Zeit teuer sein: Preise dürfen zum Ersten und zum Fünfzehnten jedes Monats ohne lange Vorankündigung angepasst werden.
Die Bundesnetzagentur hat klargestellt, dass Verbraucher auch nach eigener Kündigung Anspruch auf die Grundversorgungstarife haben – ein Abschieben in die teurere Ersatzversorgung ist unzulässig. Wer innerhalb der Ersatzversorgung nicht aktiv wird, landet nach drei Monaten automatisch in der Grundversorgung.
Achtung: Seit Juni 2025 sind rückwirkende Anmeldungen nicht mehr möglich. Wer nach dem Einzug zu spät reagiert, bleibt auch bei späterem Vertragsabschluss zunächst in der meist teuren Grundversorgung, und der Vormieter kann für offene Verbrauchstage haftbar gemacht werden.
Fazit
Für unerfahrene Mieter ist es weniger riskant, den Stromanbieter zu wechseln, als viele vermuten: Die Versorgung ist gesetzlich gesichert, der Prozess seit 2025 deutlich beschleunigt. Wer die eigene Kündigungsfrist beachtet, nicht allein auf den Arbeitspreis schaut und die MaLo-ID griffbereit hat, kann in wenigen Minuten den Stromanbieter wechseln und dabei jährlich spürbar sparen.
Häufige Fragen zum Stromanbieter wechseln
Darf ich als Mieter meinen Stromanbieter wechseln, ohne den Vermieter zu fragen?
Ja, als Mieter mit eigenem Stromzähler schließen Sie den Vertrag selbst ab und benötigen keine Zustimmung des Vermieters.
Wie lange dauert ein Stromanbieterwechsel 2026?
Der technische Wechsel erfolgt seit Juni 2025 werktags innerhalb von 24 Stunden; der tatsächliche Lieferbeginn richtet sich jedoch nach der Kündigungsfrist Ihres alten Vertrags.
Kann ich nach dem Stromanbieter wechseln plötzlich ohne Strom dastehen?
Nein, ein Stromausfall ist ausgeschlossen; übergangsweise übernimmt der örtliche Grundversorger oder für maximal drei Monate der Ersatzversorger die Belieferung.
Was kostet mich die Grundversorgung, wenn ich zu spät den Stromanbieter wechseln will?
Die Grundversorgung ist meist 10 bis 30 Prozent teurer als ein Sondertarif; die Ersatzversorgung kann in Ausnahmefällen noch deutlich höhere Preise verlangen.
Welche Angaben brauche ich beim Stromanbieter wechseln?
Sie benötigen Ihre Zählernummer, die elfstellige MaLo-ID und Ihren Jahresverbrauch in Kilowattstunden – alle Angaben finden Sie auf Ihrer aktuellen Stromrechnung.
Brauche ich einen neuen Stromzähler?
Nein, in der Regel bleibt Ihr bestehender Zähler unverändert.