Negative Strompreise treten 2026 weiter regelmäßig an der deutschen Strombörse auf. An zwei Tagen lag der 24-Stunden-Mittelwert für Strom bereits im Minus. Hinter dem Phänomen steht ein einfaches Marktprinzip, das Verbraucher mit dem passenden Tarif zu ihrem Vorteil nutzen können.

Erfahren Sie mehr zu unseren Affiliate-Links

Wenn Sie über diese Links einen Vertrag abschließen, erhalten wir eine Provision, die unsere redaktionelle Arbeit unterstützt. Der Preis für Sie bleibt dabei unverändert und die redaktionelle Auswahl und Bewertung bleibt davon unbeeinflusst. Diese Affiliate-Links sind durch ein Symbol gekennzeichnet. Mehr erfahren.

Kurz eingeordnet

  • Im laufenden Jahr 2026 wies der Day-Ahead-Markt zwei Tage mit komplett negativem Tagesmittelwert auf, der Tiefstwert lag am 5. April bei minus 16,34 Euro pro Megawattstunde.
  • Solar- und Windkraft deckten im April 2026 rund 55 Prozent der deutschen Nettostromerzeugung, alle erneuerbaren Energien zusammen erreichten 66,7 Prozent.
  • Seit 2025 sind Stromversorger in Deutschland verpflichtet, Privatkunden einen dynamischen Stromtarif anzubieten.
  • Verbraucher mit Smart Meter und flexiblem Tarif können in Negativpreisphasen einen Teil ihrer Stromkosten zurückerstattet bekommen.

Wie negative Strompreise an der Börse entstehen

An den kurzfristigen Strommärkten, dem Day-Ahead- und dem Intraday-Markt, treffen Angebot und Nachfrage stündlich aufeinander. Liegt das Stromangebot dauerhaft über dem Verbrauch und lässt sich der Überschuss weder ins Ausland exportieren noch in Speichern zwischenparken, fällt der Preis. Im Extremfall rutscht er unter null. Wer in dieser Situation Strom einspeist, erhält dafür kein Geld, sondern muss für die Einspeisung zahlen. Möglich sind solche Negativpreise an der European Energy Exchange seit September 2008.

Auslöser für negative Strompreise sind meist Tage mit hoher Einspeisung aus Wind- und Solaranlagen bei gleichzeitig geringer Nachfrage. Typisch sind sonnige Feiertage, Brückenwochenenden oder windreiche Nächte. Dennoch lassen sich nicht alle Kraftwerke einfach abschalten. Braunkohle- und Gaskraftwerke benötigen eine technische Mindestleistung, Anlagen am Regelenergiemarkt müssen für die Netzstabilität jederzeit verfügbar sein, und viele erneuerbare Erzeuger sind über Power Purchase Agreements an feste Liefermengen gebunden. Negative Strompreise sind daher nicht allein eine Folge der Erneuerbaren, sondern auch das Ergebnis der unterschiedlich flexiblen Kraftwerksstruktur.

Negative Strompreise 2026: Was die Marktdaten zeigen

Der bisherige Jahresverlauf bestätigt diesen Trend. Der durchschnittliche Day-Ahead-Preis lag zwischen dem 1. Januar und dem 16. Mai 2026 bei 96,23 Euro pro Megawattstunde. Der höchste Tageswert wurde am 20. Januar mit 156,17 Euro pro Megawattstunde erreicht, der niedrigste am 5. April mit minus 16,34 Euro pro Megawattstunde. An zwei der bisher 136 Handelstage rutschte der 24-Stunden-Mittelwert komplett ins Minus, so dass es komplett negative Strompreise gab.

STROM

Day-Ahead Strompreis 2026

Baseload (24h-Mittelwert) · EUR/MWh · 01.01. – 21.05.2026

Aktuell
109,15 €
21.05.2026
Höchstwert
156,17 €
20.01.2026
Tiefstwert
-16,34 €
05.04.2026
Ø Zeitraum
96,85 €
141 Tage
Negative Tage
2
1,4 % der Tage
Ø Baseload (EUR/MWh)
Day-Ahead-Verlauf als Tabelle (Monatsmittel)
MonatØ PreisSpanneΔ Vormonat
Januar 2026110,09 €9,75 – 156,17
Februar 202696,58 €53,35 – 139,28−13,51
März 202699,25 €37,68 – 147,40+2,67
April 202678,52 €-16,34 – 144,21−20,73
Mai 2026 (lfd.)100,31 €-2,08 – 138,95+21,79
Quelle: Energy-Charts · Bundesnetzagentur / SMARD.de · CC BY 4.0 · Stand: 20.05.2026 14:03

Den Hintergrund liefert der Erzeugungsmix. Im April 2026 stammten laut Fraunhofer ISE 66,7 Prozent der Nettostromerzeugung in Deutschland aus erneuerbaren Quellen. Allein Photovoltaik trug 9.692 Gigawattstunden bei, das entspricht 27,4 Prozent. Onshore- und Offshore-Windkraft kamen zusammen auf 27,1 Prozent. Mit jedem zusätzlichen Gigawatt installierter Wind- und Solarleistung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass bei günstigem Wetter mehr Strom erzeugt wird, als das System gleichzeitig aufnehmen kann. Laut Bundesnetzagentur lag der Strompreis in Deutschland im Jahr 2024 bereits 457 Stunden im negativen Bereich, gegenüber 69 Stunden im Jahr 2022.

Dynamische Stromtarife: So profitieren Verbraucher

Klassische Stromtarife mit festem Arbeitspreis reagieren nicht auf Schwankungen an der Börse oder negative Strompreise. Die Beschaffungskosten werden für Monate im Voraus eingepreist, kurzfristige negative Strompreise wirken sich daher kaum auf die Abrechnung aus. Anders verhält es sich bei dynamischen Tarifen. Diese koppeln den Arbeitspreis an den stündlichen oder viertelstündlichen Börsenpreis. Voraussetzung ist in der Regel ein intelligentes Messsystem, das den Verbrauch im 15-Minuten-Takt erfasst.

Seit Januar 2025 sind alle Stromversorger gesetzlich verpflichtet, einen solchen Tarif anzubieten. Fallen die Börsenpreise so stark ins Minus, dass die festen Bestandteile aus Netzentgelten, Steuern und Umlagen überkompensiert werden, kann der Endkundenpreis für einzelne Stunden tatsächlich negativ werden. Kunden erhalten dann eine entsprechende Gutschrift auf der Monatsrechnung. Wer flexible Verbraucher wie ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder einen Heimspeicher gezielt in diese Zeitfenster legt, kann seine Stromkosten spürbar senken.

Ein Beispiel für einen Anbieter mit dynamischem Tarifmodell ist Tibber. Der ursprünglich norwegische Versorger mit deutscher Niederlassung in Berlin verkauft Strom zum jeweiligen Börsenpreis zuzüglich Steuern und Abgaben. Über eine App können Nutzer Preisverläufe, Echtzeitverbrauch und angeschlossene Geräte wie Wallbox oder Wärmepumpe einsehen und steuern. Mit Smart Meter erfolgt die Abrechnung im viertelstündlichen Takt, ohne Smart Meter wird monatlich dynamisch auf Basis des Standardlastprofils abgerechnet.

Jetzt Tibber Tarif bestellen

Ausblick

Mit dem weiteren Ausbau von Photovoltaik und Windkraft dürfte die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen in den kommenden Jahren tendenziell steigen. Entscheidend für die Stabilität des Systems werden zusätzliche Batteriespeicher, ein flexiblerer Stromverbrauch und eine engere Verzahnung mit den Sektoren Wärme und Mobilität. Für Privathaushalte stellt sich damit zunehmend die Frage, ob ein Wechsel auf einen dynamischen Tarif lohnt. Wie schnell sich der seit 2025 gesetzlich verankerte Anspruch auf solche Tarife in der Praxis durchsetzt, wird sich an der Marktentwicklung der nächsten Quartale ablesen lassen.